CLIA-Statement zum NABU-Kreuzfahrtranking

Der Kreuzfahrtverband CLIA nimmt anlässlich eines heute veröffentlichten Kreuzfahrtrankings Stellung zu einigen Aussagen des NABU. Grundsätzlich verfolgen der NABU und CLIA die gleichen Ziele, nämlich die Emissionen zu reduzieren und die Umwelt zu schützen. Allerdings unterscheiden sich die Auffassungen hinsichtlich der technischen Verfahren und der möglichen Umsetzungsgeschwindigkeit deutlich.

Aus Sicht des Kreuzfahrtverbands müssen einige Aussagen des NABU eingeordnet werden, da eine zu undifferenzierte Betrachtung des Sachverhalts zu Fehlschlüssen und Missverständnissen führt. Dabei geht es unter anderem um folgende Aspekte:

Verfügbarkeit der Daten: Die Kreuzfahrtbranche veröffentlicht Daten und schafft so größtmögliche Transparenz.

CLIA hat alle relevanten Daten zu den eingesetzten Umwelttechnologien und Maßnahmen der CLIA-Mitgliedsreedereien in einer Tabelle aufgeführt und veröffentlicht. So schafft die Kreuzfahrtbranche größtmögliche Transparenz. Die Übersicht ist für jedermann im Internet einsehbar und wird regelmäßig aktualisiert.[1]

Installierte Abgastechnik: Das NABU-Ranking missachtet vom Gesetzgeber anerkannte Technologien.


Reedereien reduzieren Emissionen auf hoher See substantiell mithilfe unterschiedlicher Maßnahmen. Um die Emissionen beim Betrieb auf hoher See zu verringern, nutzen sie entweder Treibstoffe mit einem niedrigeren Schadstoffgehalt bzw. alternative Treibstoffe wie Flüssiggas (LNG), bei deren Verwendung Schwefeloxide und Rußpartikel gar nicht anfallen, oder die Schiffe werden mit Abgasnachbehandlungssystemen betrieben. Beide Optionen führen zu einem geringeren Ausstoß an Schadstoffen und sind vom Gesetzgeber anerkannt. Alle Schiffe der CLIA-Mitgliedsreedereien erfüllen die gesetzlichen Grenzwerte oder gehen – zum Teil deutlich – über diese Vorgaben hinaus.

Die Technologien, die der Gesetzgeber anerkennt, werden im Ranking missachtet. Jedes der im Ranking aufgeführten Schiffe erfüllt die gesetzlichen Vorgaben und ergreift zusätzlich diverse Maßnahmen, um den Treibstoffverbrauch weiter zu reduzieren: Dazu zählen reibungsärmere Rumpfbeschichtungen, Luftblasenteppiche unter dem Rumpf und optimierte Rumpfformen sowie optimierte Fahrpläne und Fahrgeschwindigkeiten, um Treibstoff einzusparen. Den Fokus allein auf den verwendeten Brennstoff oder die Filtertechnologien zu legen, greift bei der Bewertung eines Kreuzfahrtschiffs in puncto Umweltschutz zu kurz.

• Stromversorgung im Hafen: Bei bereits 30 Prozent der Anläufe in Hamburg nutzen Kreuzfahrtschiffe alternative Energien oder umweltfreundlichen Landstrom.

Alle Schiffe benötigen während ihrer Liegezeit Strom, um den Schiffsbetrieb aufrecht zu erhalten. Dazu bieten sich verschiedene Optionen an: Elektrischer Strom kann zum Beispiel aus Flüssiggas (LNG, liquified natural gas) oder Marinediesel an Bord produziert werden. Alternativ nutzen einige Schiffe auch Landstrom aus dem öffentlichen Netz, sofern dieser verfügbar ist. Dabei sollte gewährleistet sein, dass dieser Strom nachhaltiger gewonnen wird, als der aus den hocheffizienten Kraftwerken an Bord moderner Kreuzfahrtschiffe.

Fakt ist:

- Bereits seit dem 1. Januar 2015 dürfen in den Häfen nur noch Kraftstoffe mit weniger als 0,1 Prozent Schwefelanteil oder entsprechende Filteranlagen genutzt werden. Der Betrieb mit ungefiltertem Schweröl ist in den Häfen genauso verboten wie innerhalb der Schutzzonen auf See, wie z. B. der gesamten Nord- und Ostsee. Die Einhaltung dieser Vorgabe prüfen die zuständigen Behörden regelmäßig. Bisher ist kein Verstoß durch ein Kreuzfahrtschiff gemeldet worden.

- Der Einsatz von alternativen Energiequellen und Antrieben hat sich in Hamburg erhöht. So wird in diesem Jahr bereits bei fast 30 Prozent der Schiffsanläufe von Kreuzfahrtschiffen im Hamburger Hafen während der Liegezeit grüner Landstrom aus dem öffentlichen Netz oder Strom genutzt, der schadstoffarm aus Flüssiggas erzeugt wird. Es ist nun auch Aufgabe der Regierung, den Ausbau der Landstromversorgung zu unterstützen.

• Messungen und Vergleiche: Die Messungen des NABU sind aufgrund des Erhebungszeitraums und des Messgeräts nicht belastbar.

Es ist bei Messungen nicht zielführend, Minutenwerte mit wissenschaftlich ermittelten Langzeitwerten zu vergleichen. Konkret heißt das: Eine punktuelle Messung von Emissionen gar mittels eines Handmessgerätes, welches für saubere Innenräume gedacht ist, hinter oder auf einem Schiff kann nicht mit einem Durchschnittswert verglichen werden, der von einer festen Messstation ermittelt wird und dessen Erfassungszeitraum sich über einen ganzen Tag oder länger erstreckt. Die per Strichprobe ermittelten Ergebnisse sind weder wissenschaftlich haltbar noch Gegenstand der Gesetzgebung.

NABU spricht von einer „200-mal höheren Partikelbelastung". Bei dieser Aussage fehlen wesentliche Details, wie z.B. die Angabe der Partikelgröße und des Messzeitraumes. Bei standardisierten Untersuchungen müsste dieser einen längeren Zeitraum, jedoch mindestens 24 Stunden, umfassen.

Filter für ultrafeine Partikel: Es gibt keine Ultra-Feinstaubfilter für Kreuzfahrtschiffe.

Der NABU fordert im Zusammenhang mit den Emissionsmessungen immer wieder den Einsatz von Filtern für Feinstaub. Fakt ist: Es gibt bislang weltweit keine einsatzreifen Filter für große Schiffsmotoren, die Ultrafeinstaub aus Abgasen herausfiltern könnten. Die Kreuzfahrtbranche geht daher parallel verschiedene Wege: Einerseits arbeitet man intensiv an der Entwicklung der Filtertechnologie und andererseits setzt man vermehrt auf andere Brennstoffe für Schiffsmaschinen, etwa Flüssiggas (LNG). Die bereits verfügbaren und eingebauten Rußpartikelfilter für Partikelgrößen von PM 2,5 und PM 10 werden allerdings im Ranking ignoriert.

Darüber hinaus sind diverse technische Maßnahmen getroffen, um den Verbrauch durch Effizienzsteigerungen der Antriebe zu reduzieren. Denn die wirkungsvollste Senkung des Schadstoffausstoßes wird durch Brennstoff erreicht, der gar nicht erst verbrannt wird. So werden die Fahrpläne und Fahrtgeschwindigkeit der Kreuzfahrtschiffe angepasst, um den Treibstoffverbrauch zu reduzieren.

Das zeigt, dass alle Wege verfolgt werden, um die Kreuzfahrt möglichst umweltfreundlich zu machen. Dabei ist die Kreuzfahrt – obwohl weniger als ein Prozent der Welt-Handelsflotte – zum Innovations- und Technologieführer für die Schifffahrt geworden.

Verbot von Schweröl: Seit 2015 verwendet kein Schiff in Nord- und Ostsee Schweröl ohne Filtertechnik.

Die Forderung des NABU, dass Schiffe weniger Schweröl verwenden sollen, ist bereits beschlossene Sache. Seit dem 1. Januar 2015 gilt für Nord- und Ostsee und alle Anrainerhäfen sowie einen Großteil der norwegischen Fjorde ein Schwefelgrenzwert von maximal 0,1 Prozent. Das heißt, dass bereits heute kein Schiff in der Nord- und Ostsee mit Schweröl fahren darf, ohne eine geeignete Filtertechnik einzusetzen. Die Behauptung, dass alle Kreuzfahrtschiffe mit Schweröl fahren, trifft ebenfalls nicht zu.

Ab dem 1. Januar 2020 wird der Grenzwert für Schwefel im Schiffstreibstoff weltweit von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. Die Kreuzfahrtreedereien haben diesen Schritt ausdrücklich unterstützt und auf ein frühes Inkrafttreten der Vorschrift hingewirkt.

Vergleich von Kreuzfahrtschiff und Auto: Ein Vergleich einer Kleinstadt mit PKWs.

Verweise auf PKW und ihre gemessenen Emissionswerte sind nicht sachgerecht. Ein PKW ist ein Transportmittel für wenige Personen, welches die meiste Zeit im Stand verbringt. Ein Kreuzfahrtschiff bietet Transport, Unterkunft, Verpflegung, Unterhaltung und vieles mehr und gleicht eher einer kleinen Stadt. Damit wird eine Kleinstadt mit einem PKW verglichen. Es ist offensichtlich, dass dieser Vergleich unsinnig ist. Schiffe erbringen eine viel größere und umfassendere Leistung und benötigen die Technik daher in ganz anderen Dimensionen. Die Entwicklung entsprechender Technologien ist komplexer und beansprucht mehr Zeit.

Kreuzfahrtschiffe im Vergleich: Die Kreuzfahrt macht nur drei Prozent der Emissionen im Hamburger Hafen aus.

Das erklärte Ziel der Kreuzfahrtindustrie ist es, ihren Teil zu einer besseren Luftqualität in den Hafenstädten beizutragen. Allerdings kann nicht von einer „massiven Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe" gesprochen werden, wenn diese mit rund drei Prozent [2] nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Hafenemissionen z.B. in der deutschen Kreuzfahrtmetropole Hamburg ausmachen. Wichtig ist, die benötigten Technologien zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Sie müssen verfügbar gemacht werden – für Kreuzfahrtschiffe wie auch für Frachtschiffe. Die Gesamtheit aller Kreuzfahrtschiffe macht weniger als ein Prozent aller Handelsschiffe im globalen Umfeld aus.

Bei Fragen zum Thema Kreuzfahrt und Umweltschutz steht Ihnen gerne Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland zur Verfügung.


[1] Der Link zur Tabelle lautet:
http://www.cliadeutschland.de/wissenswertes/Studien/Environmental-Technologies-Practices-94

[2] Quelle:
http://www.hamburg.de/contentblob/9024022/7dde37bb04244521442fab91910fa39c/data/d-lrp-2017.pdf, S. 36


Über CLIA

Cruise Lines International Association (CLIA) ist die vereinte Stimme der internationalen Kreuzfahrtbranche. Als der weltweit größte Verband der Kreuzfahrtindustrie mit insgesamt 15 Niederlassungen ist CLIA in Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Australasien vertreten. CLIA unterstützt Regularien und Praktiken, die ein sicheres und intaktes Kreuzfahrtumfeld für jährlich mehr als 24 Millionen Passagiere fördern. Zudem fördert CLIA das Ansehen, die Attraktivität und die Erschwinglichkeit des Kreuzfahrterlebnisses. Zu den Mitgliedern zählen die weltweit angesehensten Fluss und Hochsee-Kreuzfahrtlinien – darunter auch Anbieter von Spezial-Kreuzfahrten – sowie Reiseveranstalter, Zulieferer, Häfen und Hafenbehörden, Destinationen und zahlreiche weitere Geschäftspartner, die sich dem nachhaltigen Erfolg der Kreuzfahrtindustrie verschrieben haben. Mehr Informationen zu CLIA erhalten Sie unter: www.cruising.org und www.cliadeutschland.de/. Folgen Sie CLIA außerdem auf Facebook und Twitter

 

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HERING SCHUPPENER
Jasmina Alatovic
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